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[email protected]

kunst ist design

almir mavignier
plakatausstellung im bröhan museum
​berlin 2025
Theresa Augustin, Eröffnungsrede
​Liebe Freunde des Bröhan Museums, lieber Delmar, liebe Gäste, 

auch von mir ein herzliches Willkommen! 
Ich freue mich, dass Sie hier sind und wir heute gemeinsam die Ausstellung kunst ist design! plakate von almir mavignier eröffnen.

„Kunst ist Design, so einfach ist das, und ich habe daran überhaupt keinen Zweifel." Wenn es doch für alle so einfach sein könnte, wie für Almir Mavignier, den ich hier zitiere und zu dessen Ehren wir heute hier zusammengekommen sind.

Ich hatte dank dieses Ausstellungstitels viel Streit in letzter Zeit und betrachte den damit verbundenen Kraftaufwand genauso wie diese Ausstellung als mein Geschenk an den Künstler zu seinem 100. Geburtstag – zumindest stelle ich mir vor, dass ihn das gefreut hätte. Dass seine in den 1950er bis in die frühen 2000er Jahre entstandenen Plakate das können: einen Streit auslösen, eine Auseinandersetzung anregen, für die das Bröhan Museum wie kein anderes Haus in Berlin steht.

Was ist Kunst? Was Design? Gibt es einen Unterschied, braucht es diesen? Wären wir besser ohne dran? Seien Sie unbesorgt, ich kenne die Antwort nicht, aber teile gerne meine Gedanken mit Ihnen.

Doch zuerst möchte ich mich bedanken. Bei Ihnen lieber Herr Hoffmann dafür, dass ich vor zwei Jahren in meinen ersten Tagen hier das erste Mal Mavigniers Plakaten begegnen konnte, als ich Ihnen dabei assistieren durfte, eine Plakatpräsentation aus den Sammlungsbeständen zusammenzustellen. Ich danke Ihnen auch dafür, dass ich dieses Projekt zu meinem ersten eigenen Ausstellungsprojekt machen konnte, wo Sie und Mavignier eine besondere Beziehung verband. Dass Sie Ihre Erinnerungen und Ihr Wissen mit mir geteilt haben.
Auch möchte ich mich bei meinen Kolleginnen und Kollegen für ihre Unterstützung bei dem Projekt bedanken. Anna Adam danke ich für die restauratorische Betreuung und Aufbereitung der Objekte; Fabian Reifferscheidt dafür, dass er die Leihgaben mit mir abgeholt und mir mit Rat und Tat zur Seite gestanden hat, genauso Anna Grosskopf. Nadine Pfessorf danke ich für ihren unermüdlichen Einsatz bei der Organisation der Aufbauabläufe und des Leihverkehrs, Bassel Ibrahim für den Aufbau und Colya Kärcher für die Ausstellungsgrafik.

Vor allem aber möchte ich mich bei dir bedanken, Delmar. Ohne dich wäre die Ausstellung in dieser Form nicht möglich gewesen. Nicht nur hast du uns fast alle Leihgaben zur Verfügung gestellt, auch hast du ermöglicht sie im Sinne der Sache teils ungerahmt zu zeigen und von uns, die wir von den Sparmaßnahmen des Landes betroffen sind, persönlich abholen zu lassen. Du hast mir die Tür zum Atelier geöffnet und die Möglichkeit geboten mich umgeben von Mavignier mit Mavignier zu beschäftigen. Aus einem Bestand von über 200 Plakaten die auszuwählen, die mir richtig erscheinen. Ich werde diese Tage in besonderer Erinnerung behalten und bin dir zutiefst dankbar für dein Vertrauen, was das gesamte Projekt betrifft.

Nun zu deinem Vater, Almir Mavignier, 1925 in Rio de Janeiro geboren. Er studierte Malerei und war gleichzeitig Leiter und Mitbegründer eines Ateliers für Kunsttherapie in einer psychiatrischen Klinik in seiner Heimatstadt. Ab 1949 begann er abstrakt zu malen, womit er zu den ersten zählte, die in Brasilien abstrakte Kunst schufen. 1950 sah er in Sao Paulo eine Retrospektive von Max Bill, woraufhin er beschloss, an der neu gegründeten und von Bill geleiteten Hochschule für Gestaltung Ulm weiter zu studieren. Dafür ging er, nachdem er 1951 seine erste Einzelausstellung in Sao Paulo hatte, nach Paris, wo aus abstrakten konkrete Bilder wurden. 1953 nahm er das Studium der Visuellen Kommunikation – in Ulm studierte man bekanntlich nicht Kunst, sondern Design – auf. Hier lernte bei Helene Nonné-Schmidt, Otl Aicher, Josef Albers und Max Bense. 1954 begann er mit seinen Punktbildern, für die er heute bekannt ist. Internationale Bekanntheit erlangte er nicht nur als Vertreter der Konkreten Kunst – insbesondere der Op-Art, sondern auch als Plakatgestalter. Zu seinen frühsten Entwürfen zählt das Modulplakat für das Museum Ulm, das er 1957 ursprünglich für eine eigene Ausstellung entwarf, die an drei verschiedenen Orten stattfand. Ab 1958 arbeitete er mit der Düsseldorfer Künstlergruppe ZERO zusammen, 1960 war er Mitorganisator und Kurator der bedeutenden Ausstellung Neue Tendenzen in Zagreb, aus der die gleichnamige Bewegung hervorging. 1963 gestaltete er sein erstes additives Plakat und nahm sowohl an der documenta 3 als auch an der Biennale teil. In diesem Jahr zog er auch von Ulm nach Hamburg, um an der Hochschule für bildende Künste bis 1990 Malerei zu lehren. 

Neben seinem Wirken als Lehrer und seinem Engagement für die Kunst, hat Mavignier ein großartiges Werk hinterlassen, aus dem wir in der Ausstellung lediglich die Plakate zeigen. Etwas, das er bis zu seinem Tod 2018 so nie gemacht hat. Er hat sie stets gemeinsam mit seinen Grafiken und Gemälden präsentiert, weil es den Plakatgestalter Mavignier nicht ohne den Künstler Mavignier gibt. Ich habe mich bewusst entschieden, dies anders zu machen. Weil ich überzeugt bin, dass die Plakate für sich stehen, und heute noch bestehen können – ganz ohne Kunst, oder weil sie selbst Kunst sind.
Als ich das erste Mal vor einem Mavignier Plakat stand, was ich total irritiert – im positiven Sinne. Am besten lässt es sich vielleicht als unwahrscheinliches Zusammentreffen in Form eines Plakats beschreiben. Das Plakat: lila – ein weißes Schriftband läuft sehr dezent über dem Plakatmotiv – zeigt drei nach oben deutlich kleiner werdende Kreise übereinander; der unterste, größte mit einem Innenkreis in einem helleren Magentaton. Alles daran war unkonventionell und gleichzeitig irritierend genau. In Mavigniers Worten war ich überfallen, denn – Zitat – „Niemand geht auf die Straße, um ein Plakat zu sehen. Das Plakat überfällt einen, wenn es ein gutes Plakat ist." Demnach war es ein sehr gutes Plakat, zumindest war ich überwältigt. 

Jetzt könnten Sie denken, vielleicht bin ich leicht zu beeindrucken – was sogar stimmen könnte – aber dafür bin ich schwer zu überzeugen. Doch die vielfältigen unterschiedlichen Ansätze in Mavigniers Plakatgestaltung haben mich überzeugt. Da wäre die Abwesenheit der Schrift, die seine Plakate gewissermaßen zu Antiplakaten macht, zumindest zum Gegenstück des Typoplakats. Stattdessen sind es Plakate, die in erster Linie als Bilder wirken; da wäre seine Art Schwarz auf Schwarz zu benutzen, weil Glanz die Reflexion des Lichts und nicht nichts ist; da wäre der konsequente und gekonnte Einsatz der Fotografie als Werkzeug, um neue Bilder zu erzeugen, welche die jeweilige Ausstellung nicht mithilfe von Abbildungen einzelner Exponate reproduzieren, sondern sie in ihrem Wesen, ihrer Materialität etwa, beschreiben. Und natürlich die Addition, die den Einstieg in die Ausstellung darstellt. 

Ich habe – wahrscheinlich unterbewusst inspiriert von den Konkreten Künstlern – versucht die Ausstellung auf eine Formel runterzubrechen, die da lautet + - 0. Plus steht für die Addition, Minus für die Abwesenheit der Schrift und 0 für die Einheit von Kunst und Design. Im Flur können wir diese Formel vereint in einem Objekt erleben, dem additiven Plakat, eine Innovation, die sich auf Mavignier zurückführen lässt und die inzwischen einen festen Platz in der Plakatgestaltung hat. Auf dem ersten Plakat, das uns in der Ausstellung begegnet, 2004 für die Ausstellung „almir mavignier. additive plakate“ im Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt entworfen, suchen wir nach der Schrift und finden sie schließlich: gedruckt aus transparentem Klarlack. Bereits hier drängt sich die Frage auf: ist das eigentlich Kunst oder Design? Auf der einen Seite Werbung für eine Ausstellung im Museum, auf der anderen Seite eine künstlerische Intervention im öffentlichen Raum. Das eine gibt es nicht ohne das andere, nicht entweder oder, sondern und. Kunst und Design.

Neben den Plakaten, die wir in der Ausstellung zeigen, freue ich mich sehr, dass wir im letzten Raum doch noch den Maler Mavignier in die Ausstellung holen konnten, durch ein Filmporträt von Lena Coelho Santos und Jorge Bodanzky aus dem Jahr 1974. Im Film sehen wir Mavignier beim Malen in seinem Atelier sowie eine von ihm für den Stadtraum entworfene Skulptur, die 1971 vor dem Hamburger Hauptbahnhof installiert wurde und dort für einige Jahre zu sehen war.

Mavignier sagte selbst: „Wäre ich nicht Maler, hätte ich wahrscheinlich ganz andere Plakate gemacht." Seine Plakate entwarf er mit der Freiheit eines Künstlers und den Methoden eines Designers. Dabei lotete er die Grenzen des Mediums aus und verschob sie. Ihre Eindringlichkeit bekommen sie durch die handwerkliche Präzision, mit der sie ausgeführt wurden und durch das klare Konzept, das sie verfolgen.

Vielleicht – jetzt komme ich zu meinen das Verhältnis zwischen Kunst und Design betreffenden Gedanken – lassen sich hier zwei Brücken zwischen den Disziplinen schlagen: die Idee, bzw. das Konzept, das sich in der Zeit in der Kunst ausbreitet, das die Konkreten Künstlerinnen und Künstler in gewisser Hinsicht für die Konzeptkünstlerinnen und -künstler vorbereiten, und dem im Design bereits seit dem Bauhaus, besonders jedoch in Ulm eine entscheidende Rolle zukommt, sowie dem Experiment, das ebenfalls beide Disziplinen teilen.

Wenn man sich heute über den Ausstellungstitel „Kunst ist Design!" streitet und bereits angeführt hat, dass es sich um ein Zitat handelt, dann tut man es Mavignier gleich und verweist auf seinen Lehrer Max Bense, der der Ansicht war, dass Kunst visuelle Information ist – und damit die Lehre an der HfG Ulm bedeutend geprägt hat. Dann führt man Max Bill an, der sagte: „Kunstwerke sind Gegenstände für den geistigen Gebrauch.“ Mavignier war überzeugt, dass aus einem künstlerischen Konzept sowohl ein Plakat als auch ein Gemälde entstehen konnte; er hat eine visuelle Sprache gefunden, die für beides funktioniert. Ab heute beziehe ich mich auf Mavignier, wenn ich sage: Kunst ist Design.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß in der Ausstellung – lassen Sie sich überwältigen, und haben Sie einen schönen Abend!

Theresa Augustin und Tobias Hoffmann
​4 Monate zuvor im Atelier Mavignier

Am 21. Mai 2025 empfing ich Theresa Augustin und Tobias Hoffmann im Atelier Mavignier in Hamburg. Theresa befand sich am Ende ihres Volontariats und entschied sich, ihre Abschlussausstellung in der Black Box des Bröhan-MuseumsAlmir Mavigniers Plakatkunst zu widmen. Tobias Hoffmann, der mit meinem Vater zahlreiche Gespräche geführt und gemeinsam mit ihm die große Ausstellung im Museum für Konkrete Kunst Ingolstadt 2003 realisiert hat, gilt als ausgewiesener Mavignier-Spezialist.
​
Die Zusammenarbeit für die Bröhan-Ausstellung war von Anfang an hervorragend. Theresa Augustin überzeugte durch Präzision, gründliche Vorbereitung und ein beeindruckend sicheres Gespür für die Auswahl der Plakate. Da das gesamte Plakatwerk zwar im Atelier archiviert, jedoch aus Platzgründen nur selten präsentiert wird, war es auch für mich ein besonderes Erlebnis, diese Arbeiten wieder vollständig gehängt und in neuer Zusammenstellung zu sehen – in einer Zeit, in der Plakate als Medium fast dem vergangenen Jahrhundert anzugehören scheinen. Gerade dieser Umstand lässt die Qualität und Zeitlosigkeit von Mavigniers Plakaten heute umso deutlicher hervortreten.
Brillant war auch die Wahl des Ausstellungstitels – ein Mavignier-Zitat:„kunst ist design“ – sowie die Einbindung eines Filmdokuments von 1974, das Theresa Augustin im Internet aufgespürt hat (siehe unten).

permutationen 1961

permutationen 1961 war ein entscheidendes projekt für das werk von Almir Mavignier. Diese Arbeit war zunächst als Serigraphie projekt konzipiert und die Idee war einen Algorithmus zu entwickeln, der aus 3 Designs besteht, die jeweils mit 4 bestimmten Hintergrund und Vordergrundfarbkombinationen durchkonjugiert wurde. Die Siebdruckmaschine war sozusagen der Computer. In diesem Projekt und das war der Ausgangspunkt nimmt sich der Künstler in seiner Subjektive weitestgehend zurück und trifft nur zu Beginn Entscheidungen und das Kunstwerk generiert sich dann ohne ihn. Dies war ein Vorgriff auf Andy Warhol und die Arbeit wurde in ihrer Zeit durch Ausstellungen auf Venice Biennale und später Dokumenta Kassel gewürdigt. (Mehr infos.) Die Permutationen existierten ursprünglich als Mappe von 48 Arbeiten. Das Atelier Mavignier hat 2025 die Arbeiten als Triptychon gerahmt.
Picture
permutation I quadrat
Picture
permutation II horizontal
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permutation III vertikal

permutationen 1961/2025 – kompositionsprojekt

Uraufführung der Komposition von Janosch Pangritz und Künstler Gespräch
Ein Höhepunkt der Ausstellung war die Uraufführung einer neuen Komposition, die ich gemeinsam mit dem Percussionisten und Komponisten Janosch Pangritz entwickelt habe. Am 11. September präsentierten wir zunächst ein Gespräch und im Anschluss das Konzert einem sehr interessierten Publikum. Der intensive Austausch über Kunst und Klang bestätigte mich darin, mit diesem Format – einer Komposition für ein Kunstwerk – die Kunst Almir Mavigniers heute auf zeitgenössische Weise neu zu öffnen und erfahrbar zu machen. 

Künstlergespräch

Janosch Pangritz, Komponist
Delmar Mavignier, Atelier Mavignier
Tobias Hoffmann, Direktor
Theresa Augustin, Kuratorin

Konzert

Janosch Pangritz, Percussion u. Komponist 
Cansu Arat, Gesang
Aydin Bayramoğlu, Viola
Elvin Rodriguez, Guitar

Almir Mavignier Kurzfilm/Interview
​von Lena Coelho Santos

Ein wunderbarer Kurzfilm, der die Poesie und wichtige Momente Almir Mavigniers einfängt. Der Film wurde innerhalb der Ausstellung ohne Ton gezeigt.
Hamburgo (1974)
Video Transcript Portuges 
Almir Da Silva Mavignier, nasci em 1º de maio de 1925, no Rio de Janeiro. Jardim da infância, escola primária, curso de ginasial, curso científico. Tentei fazer arquitetura, não passei e finalmente consegui encontrar a resposta para a pergunta mais importante nessa época, quando não se sabe se quer ser pintor ou deve ser pintor, se tem talento ou não tem talento.

E resolvi ser pintor. Depois ganhei a bolsa do governo francês e vim em 1951 para a Europa. E em 1953 vim para a Alemanha, para a cidade de Ulm, e em 1965 fui chamado para ser professor na Escola de Belas Artes de Hamburgo.

Em 1954 fiz o primeiro quadro com os chamados pontos. Esses pontos surgiram, não por um acaso, surgiram de um conceito, de uma ideia de Paul Klee. Quando uma linha se choca com uma outra linha, se choca com uma grande força, e o ponto de choque é um ponto de energia.

Isso me fascinou como ideia, então quis interpretar esse conceito, essa ideia, quis concretizar essa ideia num quadro. Eu sou contra a definição de pontos para a minha pintura, porque é uma definição absurda, porque o ponto não se pode pintar, o ponto não se pode representar. O ponto é um cruzamento de duas linhas, o ponto existe apenas numa dimensão ideal, numa dimensão de ideia.

Eu diria mais, eu não sou um pintor de pontos, eu sou um pintor de retículas. A retícula ficou, tornou-se retícula, porque no início haviam os chamados pontos que eram aglomerados sobre a superfície livremente, depois, a partir de um determinado quadro, esses pontos... Quando se diz vermelho, quando se diz verde, não se diz quadrado, não se diz maçã, e não se diz grama ou árvore, diz-se vermelho ou verde.

Quer dizer, teoricamente, a cor não está obrigatoriamente dentro de uma forma. Exatamente, com o meu meio técnico da retícula, da estrutura, eu antevi as possibilidades de libertar a cor das fronteiras obrigatórias da forma. De modo que me encontro numa situação, na minha pintura, que não quero pintar mais um quadrado vermelho, senão eu quero pintar vermelho, que é um problema essencialmente pictórico, é o problema da cor.

A minha pintura é uma pintura de reflexão. A forma de reflexão pela qual eu faço os meus quadros é uma forma como tese e antitese. Proponho uma verdade e provoco o contrário dessa verdade.

Se eu proponho uma problemática em fundos pretos, provoco um segundo quadro com a mesma problemática em fundos brancos. Dessa forma, tese e antitese se completam ou se separam formando sempre novas proposições, novos quadros. Composição é, portanto, um resultado de reflexão e não um resultado de experiência sentimental.

A decisão que eu tomei em reduzir os meus quadros a uma cor apenas foi uma decisão mais difícil e mais consequente. Mais difícil porque vários anos se escondem atrás desse quadro em que eu sempre fui levado a misturar cores, várias cores. E a redução a uma só cor mostrou também a superação da retícula como meio gráfico, tipográfico, pela pintura.

A pintura superou a retícula. A cor foi libertada da forma através da estrutura. A arte, para mim, é um problema, é uma solução para existir.

Para gente como eu que precisa pintar ou que precisa fazer música, que precisa fazer arte. Pessoalmente, eu acho que a vida é tão limitada que durante o tempo que se vive entre essas fronteiras de nascimento e morte, temos só uma possibilidade de fazer alguma coisa artística, de expressão. E essa possibilidade temos que aproveitar o máximo possível.​

Almir Mavignier, 1974
Video transcript deutsch
Almir Da Silva Mavignier, ich wurde am 1. Mai 1925 in Rio de Janeiro geboren. Ich besuchte den Kindergarten, die Grundschule, das Gymnasium und die naturwissenschaftliche Schule. Ich versuchte mich an Architektur, scheiterte und fand schließlich die Antwort auf die wichtigste Frage der Zeit: Wer weiß, ob er Maler werden will oder sollte, ob er Talent hat oder nicht.

Und ich beschloss, Maler zu werden. Dann gewann ich ein Stipendium der französischen Regierung und kam 1951 nach Europa. 1953 kam ich nach Deutschland, nach Ulm, und 1965 wurde ich eingeladen, an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg zu unterrichten.

1954 malte ich mein erstes Bild mit sogenannten Punkten. Diese Punkte entstanden nicht zufällig; sie entsprangen einem Konzept, einer Idee von Paul Klee. Wenn eine Linie mit einer anderen kollidiert, kollidiert sie mit großer Kraft, und der Kollisionspunkt ist ein Energiepunkt.

Diese Idee faszinierte mich, und ich wollte dieses Konzept, diese Idee interpretieren, ich wollte sie in einem Gemälde verkörpern. Ich lehne die Definition von Punkten für meine Malerei ab, weil sie absurd ist, denn ein Punkt lässt sich nicht malen, ein Punkt lässt sich nicht darstellen. Ein Punkt ist der Schnittpunkt zweier Linien; ein Punkt existiert nur in einer idealen Dimension, in einer idealen Dimension.

Ich würde sogar sagen, ich male keine Punkte, sondern Raster. Das Raster blieb, wurde zum Raster, denn am Anfang gab es sogenannte Punkte, die frei auf der Oberfläche verteilt waren. Dann, ausgehend von einem bestimmten Gemälde, diese Punkte... Wenn man Rot sagt, wenn man Grün sagt, sagt man nicht Quadrat, man sagt nicht Apfel, und man sagt nicht Gras oder Baum, man sagt Rot oder Grün.

Mit anderen Worten: Theoretisch ist Farbe nicht unbedingt einer Form zugeordnet. Gerade mit meinen technischen Mitteln des Rasters, der Struktur, sah ich die Möglichkeiten voraus, Farbe von den zwingenden Grenzen der Form zu befreien. So befinde ich mich in meiner Malerei in einer Situation, in der ich kein weiteres rotes Quadrat malen möchte, sonst möchte ich Rot malen, was ein wesentliches Bildproblem ist, das Problem der Farbe.

Meine Malerei ist eine Malerei der Reflexion. Die Form der Reflexion, durch die ich meine Bilder schaffe, ist eine Form von These und Antithese. Ich schlage eine Wahrheit vor und provoziere das Gegenteil dieser Wahrheit.

Wenn ich ein Problem auf schwarzem Hintergrund vorschlage, provoziere ich ein zweites Gemälde mit demselben Problem auf weißem Hintergrund. Auf diese Weise ergänzen oder trennen sich These und Antithese und bilden immer neue Vorschläge, neue Gemälde. Komposition ist daher ein Ergebnis der Reflexion und nicht das Ergebnis sentimentaler Erfahrung.

Die Entscheidung, meine Bilder auf eine einzige Farbe zu reduzieren, war eine schwierigere und folgenreichere Entscheidung. Schwieriger, weil hinter diesem Gemälde mehrere Jahre liegen, in denen ich immer wieder Farben, mehrere Farben, mischen musste. Und die Reduzierung auf eine einzige Farbe demonstrierte auch die Überwindung des Rasters durch die Malerei als grafisches, typografisches Medium.

Die Malerei hat das Raster transzendiert. Farbe wurde durch Struktur von der Form befreit. Kunst ist für mich ein Problem; sie ist eine Lösung für die Existenz.

Für Menschen wie mich, die malen oder Musik machen müssen, die Kunst machen müssen. Ich persönlich denke, das Leben ist so begrenzt, dass wir in der Zeit zwischen Geburt und Tod nur eine Möglichkeit haben, etwas Künstlerisches zu tun, uns auszudrücken. Und wir müssen das Beste aus dieser Möglichkeit machen.

​Almir Mavignier, 1974
video transcript englisch
Almir Da Silva Mavignier, I was born on May 1, 1925, in Rio de Janeiro. I attended kindergarten, elementary school, high school, and science school. I tried architecture, failed, and finally managed to find the answer to the most important question of that time, when one doesn't know whether one wants to be a painter or should be a painter, whether one has talent or not.

And I decided to be a painter. Then I won a French government scholarship and came to Europe in 1951. And in 1953, I came to Germany, to the city of Ulm, and in 1965, I was invited to teach at the Hamburg School of Fine Arts.

In 1954, I painted my first painting with so-called dots. These dots emerged not by chance; they arose from a concept, from an idea by Paul Klee. When a line collides with another line, it collides with great force, and the point of collision is a point of energy.

This idea fascinated me, so I wanted to interpret this concept, this idea, I wanted to embody this idea in a painting. I oppose the definition of points for my painting because it's an absurd definition, because a point cannot be painted, a point cannot be represented. A point is an intersection of two lines; a point exists only in an ideal dimension, in an ideal dimension.

I would even say, I'm not a painter of points, I'm a painter of grids. The grid remained, became the grid, because in the beginning, there were so-called points that were freely agglomerated on the surface. Then, starting from a given painting, these points... When you say red, when you say green, you don't say square, you don't say apple, and you don't say grass or tree, you say red or green.

In other words, theoretically, color isn't necessarily within a form. Precisely, with my technical means of the grid, of structure, I foresaw the possibilities of freeing color from the obligatory boundaries of form. So I find myself in a situation in my painting where I don't want to paint another red square, otherwise I want to paint red, which is an essentially pictorial problem, the problem of color.

My painting is a painting of reflection. The form of reflection through which I make my paintings is a form of thesis and antithesis. I propose a truth and provoke the opposite of that truth.

If I propose a problem on black backgrounds, I provoke a second painting with the same problem on white backgrounds. In this way, thesis and antithesis complement or separate each other, always forming new propositions, new paintings. Composition is, therefore, a result of reflection and not a result of sentimental experience.

The decision I made to reduce my paintings to a single color was a more difficult and more consequential decision. More difficult because several years lie hidden behind this painting in which I was always led to mix colors, several colors. And the reduction to a single color also demonstrated painting's overcoming of the grid as a graphic, typographic medium.

Painting has transcended the grid. Color has been liberated from form through structure. Art, for me, is a problem; it's a solution to existence.

For people like me who need to paint, or who need to make music, who need to make art. Personally, I think life is so limited that during the time we live between these boundaries of birth and death, we have only one possibility to do something artistic, to express ourselves. And we have to make the most of that possibility.

​Almir Mavignier, 1974
„Für Menschen wie mich, die malen oder Musik machen müssen, die Kunst machen müssen. Ich persönlich glaube, das Leben ist so begrenzt, dass wir in der Zeit zwischen Geburt und Tod nur eine Möglichkeit haben, künstlerisch tätig zu sein und uns auszudrücken. Und diese Möglichkeit müssen wir optimal nutzen.“
“Para gente como eu que precisa pintar ou que precisa fazer música, que precisa fazer arte. Pessoalmente, eu acho que a vida é tão limitada que durante o tempo que se vive entre essas fronteiras de nascimento e morte, temos só uma possibilidade de fazer alguma coisa artística, de expressão. E essa possibilidade temos que aproveitar o máximo possível.”
Almir Mavignier, 1974
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contacto americas: flavio cohn, dan galeria
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